Leseprobe – Katzenagenten Band 1


Meine Veröffentlichungen, Schreibtagebuch / 17. Dez 2018

Auf Twitter wurde ich gefragt, ob es zu dem Buch auch eine Leseprobe gibt. Ja, jetzt schon. Danke für den Hinweis 🙂

Funfact: Für den Hintergrund von meinem Blog habe ich ebenfalls den Beginn des ersten Kapitels verwendet. 😉

Aber genug der Vorrede – viel Spaß mit dem Anfang von „Katzenagenten – Bedrohung aus dem Nebel“.

Treffen bei Nacht und Nebel sowie ein Auftrag

Es war dunkel geworden und der Mond schien auf den aufkommenden Bodennebel, der über die verwilderten Wiesen auf den Garten zukroch. Schon bald umspielte er die Füße des alten knorrigen Eichenbaumstumpfes, auf dem eine schwarze Katze mit weißen Pfoten ihre Umgebung aufmerksam beobachtete. Ihre bernsteingelben Augen schienen vor Vorfreude aufzuleuchten.
Baghira mochte diese Zeit und sie liebte diesen leichten Bodennebel: Zum einen verdeckte der Nebel ihre schneeweißen Pfoten und reichte bis zu ihrem weißen Bauch, sodass sie mit ihrem ansonsten nachtschwarzen Fell besser mit der Dunkelheit verschmelzen konnte. Zum anderen bedeutete dieser leichte Nebel, dass sich Besuch aus der anderen Welt ankündigte.
Nach einem kurzen prüfenden Blick über den Garten und damit ihr unmittelbares Revier, sprang sie von ihrem Ausguck. Geschwind huschte sie über die Rasenfläche, tänzelte über die Blumenrabatte und das frisch ausgesäte Gemüsebeet und schlängelte sich durch die junge Buchenhecke. Dahinter balancierte sie über den Stamm einer windschief gewachsenen Birke über einen kleinen Graben und tauchte unter dem altersschwachen Weidezaun hindurch. Der Graben führte zwar schon lange kein Wasser mehr, aber es ging ums Prinzip: Eine Katze macht sich die Pfoten nicht nass – Punkt.
Schließlich durchstreifte sie die verwilderten Weidewiesen und suchte nach Anzeichen, dass er sie diese Nacht wieder besuchen kommen würde. Seitdem er in die andere Welt gewechselt war, war er regelmäßig vorbeigekommen. Aber nun war einige Zeit vergangen.
»Fuchur, wo bleibst du?«, murmelte Baghira vor sich hin. Sie wurde langsam ungeduldig. Vor allem da sie Informationen hatte, die ihn sicherlich brennend interessieren würden. Sie wollte ihm unbedingt von dem Foto erzählen, das sie beim Stöbern auf dem Dachboden gefunden hatte.
Aber außer dem dichter werdenden Nebel gab es keine weiteren Anzeichen für einen Besuch – weder aus dieser noch aus der anderen Welt. Nur eine unvorsichtige Maus ließ sich blicken, die als abendlicher Snack genau richtig kam.
Gerade als Baghira ihren Fang genüsslich verspeiste, bemerkte sie auf einmal eine Veränderung im Nebel um sich herum: Die Nebelfäden zogen sich zusammen, türmten sich auf und nahmen immer mehr die Form einer Katze an.
»Du kommst spät«, sagte Baghira kauend zu dem Besucher, ohne genauer hinzuschauen.
»Sei froh, dass überhaupt jemand kommt«, lautete die nicht gerade freundliche Antwort.
Der Tonfall ließ zudem darauf schließen, dass diese Katze sich mindestens hundert Dinge vorstellen konnte, die sie lieber tun würde, als Baghira einen Besuch abzustatten.
»Und meine Güte – bist du eigentlich immer nur am Fressen?! Dass du dir das bei deiner Figur überhaupt erlauben kannst!«
Baghira schluckte die Reste der Maus und eine unhöfliche Antwort hinunter.
›Na toll!‹, dachte sie leicht angefressen. ›Womit hab ich verdient, dass ausgerechnet Miss Mauzi vorbeischauen muss?!‹
Mit zusammengebissenen Zähnen musterte sie die nun deutlich zu sehende schlanke Katze mit dem einzigartigen Muster aus Schildpatt- und Tigerzeichnung neben ihr. Sie musste sich wirklich beherrschen, um die andere Katze nicht anzufahren. So sehr ihr die Anwesenheit von Miss Mauzi auch missfiel, so versprach sie doch ein bisschen Aufregung für diese Nacht, wenn nicht sogar die nächsten Tage.
»Was verschafft mir die Ehre?«, fragte Baghira betont freundlich, nachdem sie ihren ersten Groll überwunden hatte. Wohl wissend, dass es nicht Miss Mauzis Einfall gewesen war sie zu besuchen. Diese Katze hielt sich bevorzugt in der anderen Welt auf und kam in der Regel nur auf direkte Anweisung von oberster Stelle.
Miss Mauzi seufzte: »Die Orakel hatten Visionen und einiges davon scheint unsere Anführerin beunruhigt zu haben.«
Baghira stutzte. Zwar hatte sie die Anführerin der Katzenagenten, Hatschepsut, bisher nicht persönlich kennengelernt, aber was sie vom Hörensagen mitbekommen hatte, war, dass die beiden Wörter Anführerin und beunruhigt ganz bestimmt nicht im selben Satz auftauchten.
»Und wie kann ich da jetzt helfen?« Baghira sah Miss Mauzi verwundert an.
»In deinem Gebiet wohnt auch jemand, der regelmäßig von Visionen heimgesucht wird. Statte dieser Katze einen Besuch ab und hör dir an, was sie zu dem Thema zu sagen hat«, antwortete Miss Mauzi und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
»Du redest doch nicht etwa von Morathi?!«, stieß Baghira ungläubig hervor. »Himmel noch mal, es ist schon an guten Tagen nicht einfach auch nur einen vernünftigen Satz aus ihr herauszubekommen!«
Miss Mauzi grinste noch breiter: »Die Anweisung lautet: Alle Orakel sind zu befragen! Und Morathi ist jetzt deine Aufgabe. Du hast bis morgen Abend Zeit. Viel Erfolg!«
Kaum gesagt, machte Miss Mauzi auch schon wieder Anstalten sich aufzulösen.
»Moment!«, rief Baghira. »Nicht so schnell!«
Miss Mauzi verharrte in ihrer halbtransparenten Form.
»Worum geht es in diesen Visionen? Wie soll ich Morathi befragen, wenn ich nicht einmal weiß, worum es geht?!«, empörte sich Baghira.
Miss Mauzi zögerte kurz und kam tatsächlich wieder zurück. »Wir reden hier von Morathi. Wenn du schon weißt, worum es geht, beeinflusst du mit Sicherheit ihre Aussage. Deswegen darf ich dir leider noch nichts sagen.« Sie zuckte mit den Schultern, schien diesen Umstand aber nicht wirklich zu bedauern. »Sonst noch Fragen?«
›Ja‹, dachte Baghira, biss sich allerdings auf die Zunge und schüttelte den Kopf. Weitere Informationen würde die andere Katze doch nicht herausrücken. Außerdem wollte sie ihr nicht unbedingt auf die Nase binden, dass sie viel lieber mit Fuchur gesprochen hätte. Aber vielleicht würde er morgen kommen. Denn, dass Miss Mauzi an zwei aufeinanderfolgenden Nächten in diese Welt kommen würde … nein, das war dann doch zu unwahrscheinlich.

Nachdem die Besucherin verschwunden war, zog Baghira sich wieder auf ihren Platz auf den alten knorrigen Baumstumpf zurück.
»Soso«, murmelte sie. »Die Orakel haben Visionen.«
Das war grundsätzlich nichts Besonderes, es waren schließlich Orakel. Es war allerdings erstaunlich, dass sich die erfahrene Hatschepsut davon beunruhigen ließ.
»Ich würde zu gerne wissen, was diesmal so ungewöhnlich ist«, murmelte Baghira vor sich hin.

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