Phase 4 & 5: Überarbeiten – ein Fest für den inneren Kritiker


Schreibtagebuch / 28. Okt 2018

Die Geschichte ist zu Papier gebracht – dann ist man ja fertig, oder? Denkste! Mit dem Schreiben ist es noch lange nicht getan. Die Hauptarbeit kommt erst noch. Also, Ärmel hochgekrempelt und frisch ans Werk.

Phase 4: Überarbeiten, die erste – Von der Rohversion zum Text

Da ich, wie im vorherigem Beitrag erläutert, erst einmal „nur“ eine Rohversion aufs Blatt bringen, geht es für mich nun darum, diese Rohversion in eine erste „vernünftige“ Fassung umzuschreiben: Was kann/muss ausgebaut werden? Was kann weg? Was ist gut? Jetzt erst mache ich mir auch Gedanken über die Formulierung, baue und feile an meinen Sätzen und schreibe sie mindestens dreimal um.

Auf der einen Seite hat man das Gefühl alles noch einmal zu schreiben, da man ja jetzt erst „vernünftige“ Sätze schreibt – auf der anderen Seite gibt es bei diesem Überarbeitungsschritt immer noch etwas entdecken. Die (Kern)Handlung sollte stehen und wird sich (hoffentlich) bei diesem Prozess nicht mehr ändern. Aber es kommen Szenen dazu, Szenen weg, Szenen werden geändert … das Ganze ist immer noch sehr lebendig. Der innere Kritiker läuft hierbei immer noch auf Sparflamme.

Ein paar Zahlen

Wer auf Wordcounts steht – ja, in diesem Überarbeitungsschritt lassen sich die Wörter noch prima zählen. Bei mir sind in dieser Überarbeitungsrunde noch einige dazu gekommen:

Rohversion: 103.555 Wörter in 26 Kapiteln; 1. Version: 155.304 Wörtern in 31 Kapiteln

Phase 5: Überarbeiten, die zweite – Der innere Kritiker darf von der Leine

Nun ist es soweit – die erste ausformulierte Version der Geschichte steht. Nachdem der Text etwas liegen gelassen wurde, ist es nun Zeit sich ihn ein zweites Mal vorzunehmen – und diesmal gnadenlos den inneren Kritiker von der Leine zu lassen. Er hat sich schließlich lange zurückgehalten. Nun darf (und soll) er sich austoben. Ja, es ist nicht angenehm – aber hinterher wird die Geschichte besser sein.

Was gilt es nun zu beachten?

Macht die ganze Geschichte Sinn? Ist sie zu langatmig erzählt? Oder fehlen etwa Informationen? Man soll sich wundern, was alles im eigenen Kopf vorhanden ist – und was man vergessen hat, dem Leser mitzuteilen.

Es gilt nun auch Ungereimtheiten gnadenlos aufzudecken – und sei es nur, dass eine Person die falsche Kleidung an hat oder in die falsche Richtung läuft. Befinden sich alle Personen an den richtigen Orten? Haben Wunderheilungen stattgefunden oder hat eine Person über Nacht eine Fähigkeit gemeistert? Verhalten sich die Protagonisten sinnvoll, soll heißen, ihrem Charakter entsprechend?

Kill you Darlings

Ja, es darf, es soll gestrichen werden: Alles was nicht in irgendeiner Form in die Geschichte passt. Und sei die Szene noch sooo schön – wenn sie nicht zur Handlung passt, dann muss sie raus. *schnüff*

Am besten ein Dokument anlegen, wo all diese gestrichenen Szenen reinkommen – vielleicht finden sie später noch einmal Verwendung (vielleicht in der nächsten Geschichte …).

Das alles mag vielleicht etwas hart klingen – aber wenn einem selbst schon diese Sachen auffallen, dann werden sie anderen wahrscheinlich auch auffallen. Und irgendwann soll die Geschichte schließlich auch von anderen gelesen werden (dürfen), nicht wahr?

Noch ein paar Zahlen

Bei diesem Überarbeitungsschritt bietet es sich an, die Zeit zu notieren und nicht mehr die Wörter – ansonsten könnte es deprimierend werden. Denn es ist auch an der Zeit Füllwörter, überflüssige wörtliche Rede etc. zu streichen.

Rohversion: 103.555 Wörter in 26 Kapiteln; 1. Version: 155.304 Wörtern in 31 Kapiteln; 2. Version: 147.771 Wörter in 32 Kapiteln

Rechtschreibung

Falls noch nicht geschehen: Bevor das Manuskript raus an die Testleser geht, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Rechtschreibung, Grammatik usw. genau in Augenschein zu nehmen. Ein kleiner Hinweis: Word ist hier nicht ganz zuverlässig.

Kostprobe gefällig? Bitte schön: Schreitisch (statt Schreibtisch), lautstrak (statt lautstark), Kornjuwelen (statt Kronjuwelen), Wattschleife (statt Warteschleife), Vorberatungen (statt Vorbereitungen), Rachenegel (statt Racheengel), Walkatzen (statt Waldkatzen), Läse (statt Käse), Stichwart (statt Stichwort), Schafquartiere (statt Schlafquartiere), Vorfreunde (statt Vorfreude), … alles Sachen, die Word mir nicht angestrichen hatte.

Ich habe daher mit dem Duden Korrektor weitergearbeitet. Zunächst als Testversion für Word, später bin ich von Word komplett auf Papyrus umgestiegen.

So: Sätze, Inhalt, Sinn und Rechtschreibung wurden überarbeiten. Dann Augen zu und durch – das Manuskript kann an die Testleser.

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