Phase 6: Testleser – Die erste Feuerprobe


Schreibtagebuch / 29. Okt 2018

Es ist so weit: Zum ersten Mal bekommen andere deinen Text zu lesen. Was werden sie sagen? Wie werden sie deine Geschichte finden? Was werden sie daran auszusetzen haben? Auch wenn man sein Manuskript noch so oft durchgegangen ist: Irgendwann ist man selbst betriebsblind für den eigenen Text, irgendwann ist man selbst nicht mehr in der Lage, weitere Fehler zu finden. Dann ist es Zeit für ein paar zusätzliche Augen und Meinungen.

Auswahlkriterien für Testleser

Kriterien klingt vielleicht etwas streng. Aber es ist sicherlich nicht verkehrt, wenn die Testleser:

  • das Genre deiner Geschichte mögen.
    • Überspitzt formuliert: Wenn du einen Horrorthriller geschrieben hast und deine potentiellen Testleser romantische Liebeskomödien bevorzugen, könnte es sein, dass sie mit deiner Geschichte nicht viel anfangen können.
  • generell gerne lesen und viel lesen.
    • Dadurch können sie eher beurteilen, ob deine Geschichte nun originell, anders, packend, … ist.
  • in der Lage sind, dir ehrlich ihre Meinung zu sagen.
    • Aus diesem Grund bietet sich die eigene Familie, enge Freunde meisten eher nicht an (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Rückmeldungen

Wenn man als Rückmeldung bekommt: „Alles prima!“ – Dann freut einen das natürlich im ersten Moment sehr. Es ist aber wahrscheinlich nicht die Wahrheit – und nicht gerade hilfreich. Genauso wie die Rückmeldung: „Hat mich nicht überzeugt.“ – Diese Aussage ist wahrscheinlich ehrlich, aber genau so wenig hilfreich.

Hilfreiche Rückmeldungen sind eher:

  • Das erste Kapitel las sich schleppend. (Immerhin schon mal eingegrenzt.)
  • Kapitel xy war zu lang. (Ich hatte ein Kapitel, das war 2000 Wörter länger als die anderen.)
  • Das und das macht keinen Sinn. (Plotloch)
  • Die Szene habe ich nicht verstanden. (evtl. Plotloch)

Richtig hilfreiche Rückmeldungen sind:

  • Die Szene ist zu langatmig/ nicht relevant für die weitere Geschichte. Warum hast du sie drin?
  • Das Verhalten von Person x passt an dieser Stelle so gar nicht zu seinem bisherigen Verhalten. Gibt es dazu eine Erklärung?
  • Das Ende kommt zu abrupt. Könntest du nicht das und das noch etwas näher erläutern?
  • Gefundene Rechtschreibfehler, falsche Wörter, vergessene Anführungszeichen, vergessene Satzzeichen, …

Anmerkungen umsetzen

Es gibt einfach und schwer umzusetzenden Anmerkungen: Rechtschreibfehler etc. sind natürlich leicht auszubügeln. Schwerer wird es, wenn Szenen oder ganze Kapitel umgeschrieben werden müssen. Aber so lange man die Anmerkungen der Testleser für gerechtfertigt hält, sollte man sich die Mühe (gefälligst) machen. Schließlich hat man doch dafür sein Manuskript an die Testleser verteilt, oder?

Anmerkungen, die ich jedoch übergehen würde, sind solche, die die Geschichte grundlegend ändern würden, wie z.B.:

  • „Da könnte doch ein bisschen mehr Liebesgeschichte rein.“
  • „Die Heldin braucht doch noch einen starken Mann an ihrer Seite.“
  • „Er könnte sie doch am Ende retten …“

Ähm, nein, nein … und nein.

Überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten …

Wenn man die Anmerkungen der Testleser alle eingearbeitet hat – dann ist man doch irgendwann fertig? Nein, immer noch nicht. Die Testleser waren nur der erste „Testlauf“ für deine Geschichte. Denn – egal ob das Manuskript nun an einen Verlag geschickt werden oder im Selbstverlag erscheinen soll – es folgen noch weitere Überarbeitungsrunden. Jetzt ist es Zeit für das Lektorat und ein Korrektorat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.