Phase 8b: Der Buchsatz – die innere Form


Hintergrundwissen, Schreibtagebuch / 14. Dez 2018

Klappentext und Titel stehen – Zeit sich der inneren Form, dem Buchsatz, der Typografie, zuzuwenden. Dieser Beitrag gilt für print-Bücher. Ebooks werden anders formatiert.

Ganz klar: Ist die Geschichte schlecht, wird auch ein perfekter Buchsatz sie nicht retten können. Aber wenn der Buchsatz dafür sorgt, dass alles anstrengend zu lesen ist – wäre es schade um die schöne Geschichte, nicht wahr?

Wer ein Buch aufschlägt, wird eine gewisse Erwartungshaltung haben. [1, 2] Auch wenn man selbst vielleicht gar nicht genau weiß, was alles zu einem gut formatierten Text gehört, wird man merken, wenn etwas nicht stimmt: Falsche Abstände bei den Absätzen, in die Länge gezogene Wörter, auffallend unterschiedliche Abstände zwischen den Wörtern, zu kleine/große Schrift, zu viel „weiß“ auf der Seite, …

Welche Schriftart? Welche Schriftgröße? Zeilenabstand?

Es muss, wie gesagt, angenehm zu lesen sein. Die Schrift darf nicht zu ausgefallen, aber auch nicht zu monoton sein. Die Größe muss stimmen und der Zeilenabstand sollte passend zur Schriftgröße gewählt werden. [2, 3]
Klingt alles ziemlich schwammig, nicht wahr? Leider steht nirgendwo, welches genau die perfekte Schriftart, -größe, etc. ist. Ganz einfach weil Geschmäcker verschieden sind, es unterschiedlich Genres gibt und es nicht „die eine“ perfekte Schrift für jede Art von Buch gibt. Ich habe meine Lieblingsbücher aufgeschlagen und geschaut: Ja die Schriften sind unterschiedlich, aber trotzdem alle gut zu lesen. Nur leider haben mir diese Bücher auch nicht verraten, in welcher Schrift sie nun gedruckt sind.

Was tun?

Ich habe mir eine Liste der am häufigsten genannten Schriftarten zusammengestellt: Garamond, Times, Gill Sans, Caslon, Palatino Linotype, Book Antiqua, Bookman Old Style, Minion, Georgia, Goudy Old Style, Century Schoolbook, Bembo, Bodoni, Janson, Euquity, PS Fournier Liberta, William, Constatnia, Sylfaen, Centaur, Hightour. [1 – 5]

Dann habe ich überprüft, welche davon mein Schreibprogramm (Papyrus) kennt: Garamond, Times, Gill Sans, Caslon, Palatino Linotype, Book Antiqua, Bookman Old Style, Minion, Georgia, Goudy Old Style, Century Schoolbook, Bembo, Bodoni, Janson, Equity, PS Fournier, Liberta, William, Constantia, Sylfaen, Centaur, Hightour.

In jeder dieser Schriften habe ich jeweils eine Seite meines Manuskriptes in dem späteren Format erstellt. Dann konnte ich gleich weitere Schriften streichen, die einfach „nicht meins“ waren: Garamond, Times, Gill Sans, Palatino Linotype, Book Antiqua, Bookman Old Style, Georgia, Goudy Old Style, Century Schoolbook, Bodoni, Constantia, Sylfaen, Centaur, Hightour.

Ein Probedruck

Ja, die übrigen Schriften habe ich ausgedruckt. Warum? Weil eine Schrift auf dem Bildschirm ganz anderes wirkt als in gedruckter Form. [4] Mit Hilfe meiner Lieblingsbücher habe ich Größe und Zeilenabstand abgeschätzt, indem ich meine Ausdrucke mit dem Buchsatz in diesen Büchern verglichen habe.Heraus kam, dass ich je nach Schriftart eine Größe von 9.5 – 10 pt und einen Zeilenabstand von 13 pt benötigte. Zudem benötigten einige Schriften eine Sperrung, da sonst einzelne Buchstaben ineinanderlaufen. [4]

Heraus kam, dass ich je nach Schriftart eine Größe von 9.5 – 10 pt und einen Zeilenabstand von 13 pt benötigte. Zudem benötigten einige Schriften eine Sperrung, da sonst einzelne Buchstaben ineinanderlaufen. [4]

Übrig blieb eine Liste von vier Schriften: Garamond, Palatino Linotype, Book Antiqua, Bookman Old Style, Georgia, Goudy Old Style, Century Schoolbook, Constantia, Sylfaen

Mit Ausdrucken in diesen vier Schriften habe ich Freunde und Verwandte abgeklappert und sie gefragt, welche Schrift sie am angenehmsten zu lesen fanden. Das Ergebnis war eindeutig: Constantia (Größe: 9.5 pt, Sperrung 0.2 pt, Zeilenabstand: 13 pt).

So meine Schrift hatte ich gefunden, nun ging es an die eigentliche Arbeit. Und dabei ist auch einiges zu beachten.

Sonstige Fallstricke

Lauern an jeder Ecke: So wird beispielsweise der Anfang jedes Absatzes eingerückt – allerdings nicht der allererste.  Des Weiteren ist darauf zu achten, dass der Satzspiegel (Verhältnis von Kopfsteg, Bundsteg, Außensteg und Fußsteg) harmonisch ist, keine verwaiste Zeilen (einzelne Zeilen am Seitenende oder Seitenanfang) auftreten und zudem alle Zeichen (Bindestriche, Auslassungszeichen, Anführungszeichen, Gedankenstriche, Apostrophe, …) richtig verwendet werden. [1, 3]

Welches Programm?

Es empfiehlt sich eine speziellere Schreibsoftware als Word zu verwenden. Zum reinen Schreiben ist Word völlig ausreichen, aber wenn es um Themen wie den Buchsatz geht, gerät Word ein seine Grenzen, denn – um fair zu bleiben – dafür wurde es auch nicht entwickelt. Ich war bereits aus anderen Gründen auf Papyrus umgestiegen und habe hier mit auch mein Manuskript gesetzt, was ohne Probleme funktioniert hat. (Ohne Probleme heißt nicht, dass es nicht viel Arbeit war …)

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