Katzen – eine Hintergrundrecherche


Hintergrundwissen / 9. Sep 2019

Katzen – ein Teil der Hintergrundrecherche zum Buch Katzenagenten.

In meinem Buch sind die Charaktere überwiegend Hauskatzen – schließlich ist auch die Organisation aus ehemaligen Hauskatzen aufgebaut – aber eine Abteilung wird von Wildkatzen bevölkert.

Für eine nachvollziehbare Beschreibung dieser Katzen musste ich wissen, wie die verschiedenen Wildkatzenarten aussehen. Zudem wollte ich wissen, wie sie mit den Hauskatzen verwandt sind. Also habe ich mich in die Recherche zu diesen Themen gestürzt.

Aufgrund des Umfangs wurde der ursprüngliche geplante Beitrag aufgeteilt. Beginnen wir also wie folgt:

  • Wo liegt das Problem, bei der Einteilung der verschiedenen Katzenarten?
  • Wie ist eine Katze definiert? Soll heißen: Welche allgemeinen Merkmale hat eine Katze?
  • Welche Katzenarten gibt es? Wie sind diese miteinander verwandt?

Auf die einzelnen Arten der Wildkatzen (Aussehen, Merkmale, Verbreitung) sowie auf das Thema „Hauskatzen“ (Definition, Geschichte der Domestizierung, Abstammung) werde ich in gesonderten Beiträgen eingehen.

Erwähnung im Buch

Im Buch werden die Ergebnisse dieser Recherche nur einmal kurz erwähnt, als Hatschepsut Baghira einen kurzen Überblick gibt. Allerdings ist diese in dem Moment von der Informationsflut etwas überfordert:

»Falls du dich wunderst: Dies ist der Bereich der Altkatzen und der Altwelt-Wildkatzen. Sie bleiben gerne unter sich«, erklärte Hatschepsut.
»Alt-was? Alte Katzen?«, fragte Baghira verdutzt.
[…] Hatschepsut fing schallend an zu lachen: »Nein, das sind keine alten Katzen!« Aber schnell hatte sie sich wieder unter Kontrolle: »Altkatzen und Altwelt-Wildkatzen ist eine Bezeichnung für andere Katzenarten, nahe Verwandte, aber doch verschieden. Wir Hauskatzen stammen beispielsweise von den Falbkatzen ab. […] Aber das ist nur eine Linie der Wildkatzen. Daneben gibt es die Waldkatzen und die Steppenkatzen. Und neben der Linie der Wildkatzen gibt es noch die Sandkatzen, Rohrkatzen, Schwarzfußkatzen und Graukatzen. Sie alle gehören zu den Altweltkatzen. Und dann gibt es wiederum noch die Altkatzen. Zu ihnen gehören die Bengalkatzen, die Flachkopfkatzen, die Rostkatzen …«
Baghira schwirrte der Kopf.

Die Anführerin wollte Baghira in Kurzform über die Familie der Katzen informieren. Aber dieser schwirrt zu Recht der Kopf – denn ganz so einfach ist das mit der systematischen Einordnung (der Systematik) der einzelnen Katzenarten in den Familienstammbaum nämlich nicht.

Daher werde ich das Ganze nun etwas aufdröseln und gezwungenermaßen etwas weiter ausholen.

Wo liegt das Problem – oder die „traditionelle“ und die moderne Systematik

Ursprünglich war die Systematik dazu gedacht eine gewisse „Ordnung“ in die Vielfalt der Lebewesen und Pflanzen zu bringen und diese aufgrund von äußeren Merkmalen zu beschreiben, in Gruppen und hierarchischen Systemen einzuordnen. Anfangs zur schnelleren Identifizierung von gefunden Einzelexemplaren gedacht, seit Darvin aber auch, um die verwandtschaftlichen Verhältnisse verschiedener Arten dazustellen. [1]

Allerdings ging man zu Beginn noch davon aus, dass ähnliches Aussehen auch nahe Verwandtschaft bedeuteten. [2] Fairerweise muss man dazu sagen, dass die damaligen Wissenschaftlicher noch nicht über Genanalysen verfügten.

Deshalb wurden und werden die Katzen in der „traditionellen“ Systematik aufgrund des Aussehens in drei Unterfamilien unterteilt: die Kleinkatzen, die Großkatzen und die Geparde. Wichtigste Unterscheidungskriterien waren neben dem allgemeinen Körperbau vor allem die Krallen und der Aufbau des Zungenbeins. [3, 4] Genanalysen, genauer gesagt molekulargenetische Untersuchungen, haben jedoch gezeigt, dass der Gepard keine eigene Unterfamilie der Katzen ist, sondern zur Unterfamilie der Kleinkatzen gehört.

In der modernen Systematik ist man sich einig, dass sich die Familie der Katzen in zwei rezente (also heute noch vorkommende) Unterfamilien und eine ausgestorbene unterteilen lässt: die Kleinkatzen, die Großkatzen und die Säbelzahnkatzen. [4] Allerdings ist die genaue Einteilung gerade innerhalb der Kleinkatzen immer noch umstritten.

  • Katzen (Felidae)
    • Kleinkatzen (Felinae)
      • […]
    • Großkatzen (Pantherinae)
      • […]
    • Säbelzahnkatzen (Machairodontinae); (ausgestorben)

Je nach Quellenlage umfasst die gesamte Familie der Katzen zwischen 36 und 40 Arten. [3, 4] Aber beginnen wir doch an der Stelle an, wo sich die Fachleute noch einige sind: Nämlich bei der Definition und Einteilung der Familie der Katzen, der Felidae.

Wie sind Katzen definiert?

Allgemein

Fangen wir also an: Katzen gehören zur Ordnung der Raubtiere. Die Raubtiere werden ferner unterteilt in die Überfamilien der „Katzenartigen“ und der „Hundeartigen“. [5, 6] Innerhalb dieser Überfamilie der Katzenartigen sind die Katzen schließlich eine Familie. [3] Weitere Familienmitglieder der Katzenartigen sind u.a. Schleichkatzen und Mangusten, aber ebenso Hyänen. [6, 7]

Also:

  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
    • Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
      • Familie: Katzen (Felidae)
      • […]
    • Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
      • […]

Der Körperbau ist zur Unterscheidung von Hunde- und Katzenartigen nur bedingt geeignet, vor allem wenn man an Gepard und Hyäne denkt. Allerdings lassen sich, neben den Ergebnissen der molekulargenetischen Untersuchungen, dennoch folgende Unterscheidungsmerkmale festhalten: Katzenartige haben allgemein einen kürzeren, aber stärkeren Schädel sowie stärker entwickelte Eckzähne, dafür weniger Backenzähne als die Hundeartigen. [7 – 9]

Aussehen

Man unterscheidet (je nach Quelle) bis zu verschiedene 40 Katzenarten, die alle über einen geschmeidigen Körperbau sowie einen eher kurzen, runden Schädel mit langen, dolchartigen Eckzähnen verfügen. [10, 11] Alle Katzen besitzen zudem einen Schwanz, der ihnen sowohl beim Halten des Gleichgewichts behilflich ist als auch zur innerartlichen Kommunikation benötigt wird. Bei einigen Katzenarten, wie zum Beispiel dem Luchs, ist der Schwanz allerdings stark verkürzt. [11]

Des Weiteren verfügen alle Katzen über großen Augen mit „Restlichtverstärker“ in der Netzhaut (Tapetum lucidum), die ein gutes Sehen bei Nacht und in der Dämmerung ermöglichen. Außerdem haben Katzen ein sehr feines Gehör sowie Tasthaare, so genannte Vibrissen, im Gesicht und an den Innenseiten der Vorderbeine. [10, 11]

Des Weiteren sind Katzen Zehen- sowie Kreuzgänger und haben an den Vorderpfoten fünf und an den Hinterpfoten vier Zehen. Alle Katzen besitzen sichelförmige Krallen aus Horn. In der Regel werden diese Krallen nur bei Gebrauch (Kampf, Beutefang, Klettern) durch Anspannen bestimmter Muskeln ausgefahren. Ausnahmen bilden hierbei allerdings die Flachkopfkatze, die Fischkatze und der Gepard. Der Gepard ist auf extrem schnelle Sprints spezialisiert, wobei ihm seine Krallen quasi als „Spikes“ dienen. [10, 11]

Unterschiede finden sich in der Größe (Kopfrumpflänge: 30 cm Schwarzfußkatze, 200 cm sibirischer Tiger [11, 12]), sowie Anpassungen (bspw. Fellzeichnung, -länge, Ohrengröße) aufgrund verschiedener Lebensräume (Wüste, Steppe, Savanne, Gebirge und Wälder) oder Beutetiere. [10]

Unterteilung oder welche Katzenarten gibt es?

Wie bereits erwähnt, werden die Katzen heutzutage in Großkatzen und Kleinkatzen eingeteilt. [4]

Kommen wir nun zur Unterteilung innerhalb der Großkatzen und Kleinkatzen. Die Bezeichnung „groß“ und „klein“ mag ursprünglich tatsächlich aufgrund der Körpergröße erfolgt sein. Die Größe an sich ist aber kein aussagekräftiges Unterscheidungsmerkmal, da vergleichsweise große Arten, wie der Puma, genetisch zu den Kleinkatzen gehören. [13]

Großkatzen – Gattungen

Auf die Großkatzen werde ich nur kurz eingehen. Interessierte können aber gerne in den aufgeführten Quellen stöbern. [14-17] Zur Familie der Großkatzen gehören, nach der modernen Systematik, zwei Gattungen – Panthera und Neofelis:

  • Großkatzen (Pantherinae)
    • Panthera
      • Tiger (P. tigris)
      • Jaguar (P. onca)
      • Löwe (P. leo)
      • Leopard (P. pardus)
      • Schneeleopard (P. uncia)
    • Neofelis
      • Nebelparder (N. nebulosa)
      • Sunda-Nebelparder (N. diardi)

Früher war das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen Großkatzen und Kleinkatzen der Bau des Zungenbeins. Dieses ist bei den Großkatzen nicht verknöchert und wurde lange mit der Fähigkeit zum Brüllen in Verbindung gebracht. [15] Tatsächlich ist es so, dass keine Kleinkatzenart brüllen kann. Allerdings beruht die Fähigkeit zu brüllen auf anderen anatomischen Besonderheiten, vor allem mit einer speziellen Ausbildung des Kehlkopfes. So können beispielsweise auch Nebelparder nicht brüllen, obwohl sie über ein knorpeliges Zungenbein verfügen. [4, 15]

Kleinkatzen – Gattungen

Die Kleinkatzen (Felinae) sind die andere rezente Unterfamilie der Katzen (Felidae). Wie bereits erwähnt, kann die Bezeichnung „klein“ mitunter etwas irreführend sein, da auch vergleichsweise große Arten, wie Gepard und Puma, zu dieser Unterfamilie gehören. [13]

Aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen der letzten Jahre werden folgende Gattungen zur Familie der Kleinkatzen gezählt: [13, 18]

  • Kleinkatzen (Felinae)
    • Asiatische Goldkatzen (Catopuma)
    • Marmorkatze (Pardofelis)
    • Karacal (Caracal)
    • Serval (Leptailurus)
    • Pardelkatzen (Leopardus)
    • Luchs (Lynx)
    • Pumas (Puma)
    • Gepard (Acinonyx)
    • Manul (Otocolobus)
    • Altkatzen (Prionailurus)
    • Altwelt-Wildkatzen (Felis)

Allerdings ist die genaue Einteilung immer noch umstritten: Als Beispiele für das hin und her bei der Systematik habe ich die Marmorkatze und den Manul genauer aufgeführt. [13, 18]

Systematik der Marmorkatze [19]
  • 1837 (W. C. L. Martin) wurde die Marmorkatze in der Erstbeschreibung der Gattung Felis, also den Altwelt-Wildkatzen zugeordnet.
  • 1858 (N. A. Sewerzow) wurde die eigene Gattung Pardofelis vorgeschlagen.
  • 1867 (J. E. Gray) wurde die Marmorkatze der eigenständigen Gattung Catolynx zugeordnet.
  • 1917 (R. I. Pocock) wurde die Gattung Pardofelis schließlich anerkannt und 1939 als eigenständige Gattung beschrieben. Die von Martin und Gray beschriebenen Arten wurden hierbei als Unterarten dieser Gattung einsortiert. Allerdings gehörte die Marmorkatze nun zu den Großkatzen. [20]
  • DNA-Analysen zeigen jedoch, dass die Marmorkatze
    • mit den Luchsen (Lynx) verwandt sein könnte. [21, 22]
    • eng verwandt mit der Borneo-Goldkatze und der Asiatischen Goldkatze (Catopuma) ist. [13]
Systematik des Manuls (auch Pallaskatze) [23]
  • 1779 (P. S. Pallas) wurde die Art in der Erstbeschreibung der Gattung Felis, also den Altwelt-Wildkatzen zugeordnet.
  • 1842 (B. H. Hodgons) und 1928 (S. I. Ognev) wurden weitere Spezies des Manuls beschrieben, einmal als Unterart der Gattung Felis, einmal als eigene Gattung Otocolobus.
  • 1858 (N. A. Sewerzow) wurde die eigene Gattung Otocolobus für die Arten des Manuls vorgeschlagen.
  • 1907 (R. I. Pocock) wurde die eigene Gattung Otocolobus schließlich allgemein anerkannt und beschrieben.
  • Zwischenzeitlich wurde der Manul allerdings wieder als Unterart der Gattung Felis geführt. [18]
  • Genetische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass der Manul näher mit den Altkatzen (Prionailurus) verwandt ist als mit den Altwelt-Wildkatzen (Felis), daher wurde er wieder als einzelne Art in die Gattung Otocolobus gestellt.
  • 2017 wurden die bisher beschriebenen Unterarten des Manuls auf zwei reduziert. [24]

Unterteilung – die Abstammungslinien

Eine weitere Einteilung der Katzen erfolgt aufgrund der durch genetische Untersuchungen ermittelten Abstammungslinien. Also der zeitlichen Abfolge der Abspaltung der einzelnen Katzenarten. [13]

  • Katzen
    • Großkatzen (10,8 Mio. Jahre)
    • Kleinkatzen
      • Borneokatzenlinie (9,4 Mio. Jahre)
        • Catopuma & Pardofelis
      • Karakallinie (8,5 Mio. Jahre)
        • Caracal & Leptailurus
      • Ozelotlinie (8 Mio. Jahre)
        • Leopardus
      • Luchslinie (7,2 Mio. Jahre)
        • Lynx
      • Pumalinie (6,7 Mio. Jahre)
        • Puma & Acinoynx
      • Bengalkatzenlinie (6,2 Mio. Jahre)
        • Otocolobus & Prionailurus
      • Hauskatzenlinie
        • Felis

So viel zu einem Überblick in Bezug auf Definition und die Verwandtschaftsverhältnisse bei den Katzen. Auf die Altkatzen (Prionailurus) und Altwelt-Wildkatzen (Felis) werden ich im nächsten Beitrag genauer eingehen. Denn mit Arten dieser Gattungen habe ich in meinem Buch die Abteilung der Wildkatzen bevölkert.

Quellen

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